Mark Carney, der Chef der englischen Zentralbank, hat große Ziele, was das globale Finanzsystem angeht. Für ihn hat der US-Dollar als globale Leitwährung ausgedient. Vielmehr soll jetzt eine digitale Währung an seine Stelle treten. Den entsprechenden Vorschlag äußerte Carney am 23. August während einer Rede auf der jährlichen Konferenz der amerikanischen Zentralbanken.

In einem Artikel des Nachrichtenmagazins Bloomberg wird Carney zitiert:

Die Kombination aus erhöhter wirtschaftspolitischer Unsicherheit, offenem Protektionismus und der Befürchtung, dass weitere negative Schocks aufgrund des begrenzten politischen Spielraums nicht angemessen kompensiert werden könnten, verschärft die disinflationäre Tendenz in der Weltwirtschaft. Was ist dann zu tun?

Denkbar wäre hier, den US-Dollar durch eine andere, starke Währung zu ersetzen – doch würde dies das Grundproblem lösen? „Langfristig müssen wir das Spiel ändern“, sagte Carney. „Wenn sich etwas ändert, sollte es nicht sein, einen Währungshegemon gegen einen anderen auszutauschen.“

Vielmehr soll eine von den nationalen Zentralbanken unabhängige Leitwährung geschaffen werden.

Das Ende der Dominanz des US-Dollars

Durch eine digitale Leitwährung könnte sich die finanzpolitische Macht auf mehrere Teilhaber verteilen. Carney führt an, dass dennoch eine Zentralbank für den Aufbau einer gemeinsamen Digitalwährung verantwortlich sein müsste. Für Carney ist eine globale Digitalwährung eine unabhängige Alternative. Während bisher die politischen und geldpolitischen Entscheidungen in einigen wenigen Ländern enorme Auswirkungen auf den Rest der Welt hatten, könnte sich das mit der Einführung einer gemeinsamen virtuellen Währung ändern.

Auch wenn Libra als Vorbild für diese Währung stehen könnte, sieht Carney Libra auch mit Hürden verbunden:

Entweder ist Libra ein voller Erfolg oder auch nicht. Im Erfolgsfall würde sie aufgrund der massiven Anzahl an potenziellen Nutzern geradezu systemrelevant werden und dann gibt es keinen Spielraum für Fehler. Die Ansprüche haben dann eine ganz andere Dimension.

Es bleibt abzuwarten, wie Libra die regulatorischen Probleme umsetzt. Und inwiefern sich dann eine globale virtuelle Währung an den Libra-Plänen orientieren könnte.

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