„Will the real Satoshi please stand up“? Der Gerichtsprozess Kleiman vs. Wright ist noch im vollen Gange, was jedoch kein Hinderungsgrund für einen neuen Satoshi Nakamoto ist. So geistert seit ein paar Tagen eine Pressemitteilung von Ivy McLemore & Associates durch den Äther, nach der sich Satoshi Nakamoto nun endlich preisgeben möchte.

Ivy McLemore ist eine auf Presse und digitales Marketing spezialisierte Agentur. Sie möchte in drei Artikeln dem angeblichen Satoshi genügend Raum geben, sich zu offenbaren.

Einiges an dieser „Offenbarung“ stimmt jedoch, gelinde gesagt, misstrauisch. Das fängt mit der Pressemitteilung an, die eine Firma namens „Satoshi Nakamoto Renaissance Holdings“ erwähnt. Diese Firma hat sich kein geringeres Ziel gesetzt, als mit „überlegender Blockchain-Technologie bei der Verbesserung von Lebensbedingungen einzelner Leute zu helfen“.

Betrachtet man den Twitter-Account vom mutmaßlichen Satoshi Nakamoto, werden diese Bedenken weiter bestätigt. Laut der Selbstbeschreibung soll Satoshi Nakamoto vom „Versprechen der Blockchain“ – was immer das auch sein mag – fest überzeugt sein. Das erstaunt schon etwas, sprach doch Satoshi Nakamoto von Timechain, Proof of Work Chain, einer Chain of Blocks, ja, sogar von der block chain. Der zum Buzzword gewordene Begriff Blockchain wurde so jedoch nie verwendet.

Am Abend des 18. August kam nun der erste Teil der Offenbarung Nakamotos. Diese beschreibt angeblich den Werdegang des Bitcoin-Erfinders, seine Beziehung zu Hal Finney und behauptet, den Begriff Bitcoin zu erklären.

„The Reveal“ – ein Blick in die Vergangenheit von Satoshi Nakamoto?

Laut diesem Artikel war Bitcoin schon deutlich vor dem Pizza Day „einige Cent“ wert, doch da fangen die Fragezeichen erst an. Jene, die den Artikel in ihrer Gänze lesen, werden auf eine Achterbahn geschickt, die den Leser eher konfus zurücklässt. Dass der Erfinder von Bitcoin die Bewegung der Cypherpunks nicht kennt und deshalb von Cyberpunks spricht mag ein Tippfehler sein, doch das ist nur der Anfang. So lernt man über chaldäische Numerologie, was das mit dem Namen Satoshi Nakamoto auf sich hat und es werden Erklärungen zum Begriff  Bitcoin unterstellt.

Bitcoin soll, so der Artikel, von Bank of Credit and Commerce International kommen. Diese Bank, kurz BCCI gab es tatsächlich: Sie war 1991 für einen der größten Finanzskandale seiner Zeit bekannt. Dass diese jedoch – in einer eher unkonventionellen Weise – Pate für Bitcoin gestanden haben soll kann man zumindest bezweifeln.

Ebenso interessant ist die Betonung der besonderen Freundschaft zu Hal Finney. Hal Finney soll, so der Autor, nicht nur ein Freund, sondern auch ein Mentor gewesen sein. Gemeinsam sollen sie seit 2006 an Bitcoin gearbeitet haben. Das deckt sich jedoch wenig mit den ersten elektronischen Briefwechseln zwischen Hal und Satoshi. Diese lassen jedenfalls nicht den Schluss zu, dass beide gemeinsam an Bitcoin gearbeitet haben.

Schließlich erzählte der mutmaßliche Satoshi Nakamoto noch von seinen Komplikationen während seiner Masterarbeit. Anscheinend haben seine Betreuer und Gutachter von der Stoßrichtung seiner Arbeit erst bei der Abgabe erfahren. Denn dann entschied die Universität, dass das Thema der Thesis zu anspruchsvoll war, so dass es nur zu einer einfachen Webseite kam. Wie so vieles anderes verwundert diese Episode. Nicht nur, weil ein Thema bei einer Masterarbeit nicht erst kurz vor einer Abgabe bekannt wird: Universitäten, die Themen aufgrund ihres Anspruchs ablehnen? Klingt unwahrscheinlich.

Den Machern auf der Spur

Inzwischen haben einige auf Twitter etwas Licht ins Dunkel gebracht: Riccardo Spagni zeichnete die Geschichte eines Unternehmens namens BCCI seit 2008 nach. In seinen Recherchen stieß er auf einen Bilal Khalid:

Bilal Khalid wurde von Seeking Satoshi bestätigt: Neben Bilal Khalid sollen weitere hinter dieser „Satoshi-Offenbarung“ stehen:

Weitere Warnsignale jenseits der BCCI zeigte Harry Denley auf. Laut ihm sollen die Sicherheitsstandards der Webseite satoshinrh.com den Standards von Satoshi Nakamoto kaum genügen:

Hat sich Satoshi Nakamoto nun offenbart? Wohl kaum.

Insgesamt klingt die ganze Geschichte wenig glaubwürdig. Wie dargestellt existieren zu viele Warnsignale und Inkorrektheiten. Selbst streitbare Fälle wie Craig Wright sind glaubwürdiger als diese von Ivy McLemore präsentierte Geschichte. Stellt sich die Frage, was die Macher mit dieser Geschichte erreichen wollen. Sicherlich geht es um Aufmerksamkeit. Ob diese es wert ist und ob der PR-Gag nicht nach Hinten los geht, wird sich in den nächsten Tagen zeigen.

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