Der Abwickler von Terraform Labs geht juristisch gegen die US-Handelsfirma Jane Street vor. In einer Klage vor einem Bundesgericht in Manhattan wird dem Unternehmen vorgeworfen, während des Terra-Crashs im Mai 2022 mit Insiderwissen gehandelt zu haben – rund um den Zusammenbruch von TerraUSD (UST) und Luna, der damals einen massiven Schock für den Kryptomarkt auslöste.
Klage in New York: Vorwürfe gegen Jane Street
Eingereicht wurde die Klage von Todd R. Snyder, dem Administrator, der die Rückabwicklung im Zuge des Insolvenz-Wind-down von Terraform Labs betreut. In der Schrift werden mehrere Jane-Street-Einheiten sowie einzelne Personen genannt, darunter Bryce Pratt. Die Vorwürfe lauten unter anderem auf Insiderhandel, Betrug und Marktmanipulation.
Ziel der Klage sind Schadensersatz und die Herausgabe mutmaßlich unrechtmäßiger Gewinne (Disgorgement). Eventuelle Erlöse sollen später in die Auszahlungen an Gläubiger einfließen.
Der zentrale Punkt: Ein mutmaßlicher Informationskanal aus dem Inneren
Laut Klage soll Pratt zunächst als Praktikant bei Terraform Labs tätig gewesen sein und später zu Jane Street gewechselt haben – dabei aber den Kontakt zu Mitarbeitenden von Terraform gehalten haben. Der Vorwurf: Er habe einen vertraulichen Backchannel mit dem damaligen Research-Leiter von Terraform gehabt und sensible, nicht öffentliche Informationen weitergegeben.
Die Klage zitiert auch Nachrichten, die belegen sollen, dass die Beteiligten wussten, dass diese Informationen nicht geteilt werden dürften. Eine Nachricht soll sinngemäß enthalten haben: „don’t share pls“. Außerdem sei Pratt gefragt worden, was bei Jane Street intern besprochen werde.
Damit zeichnet der Kläger ein klares Bild: Es gehe nicht nur um aggressives Trading in einem stressigen Markt – sondern um einen Informationsvorsprung in einem Moment, in dem Liquidität ohnehin bröckelte und der Markt stark auf öffentliche Signale angewiesen war.
UST-Depeg und Curve: Der Trade, der alles beschleunigt haben soll
Im Zentrum der Schilderung steht die frühe Phase des UST-Depegs und die Liquidität auf Curve. Snyder behauptet, dass Jane Street (bzw. eine Jane-Street-nahe Partei) nach einer Anpassung der Liquidität durch Terraform einen Trade über 85 Millionen UST im Curve-3pool ausgeführt habe – laut Klage der größte einzelne Swap in diesem Pool zu diesem Zeitpunkt.
Dieser Trade habe, so der Vorwurf, eine starke Verkaufswelle in UST ausgelöst und damit den Dominoeffekt beschleunigt, der schließlich zum Kollaps des Terra-Ökosystems führte. In der Folge hätten sich die Bedingungen am 8. und 9. Mai weiter verschlechtert: Das Handelsvolumen von UST sei explodiert, während der Kurs unter 0,80 US-Dollar fiel – trotz Verteidigungsversuchen von Terraform.
Die Klage verweist zudem auf direkte Kommunikation während der Krise. Am 9. Mai soll Pratt an Do Kwon geschrieben haben, Jane Street habe Interesse, auf BTC oder LUNA zu bieten. Kwon soll geantwortet haben, dass „Bill von Jump“ sich wegen eines Fundraisings bei Jane Street melden sollte. Für den Kläger ist das ein Hinweis, dass Jane Street nicht nur von außen reagierte, sondern während der Notfallphase im Austausch mit der Terraform-Führung stand.
Jane Street weist die Vorwürfe zurück und dürfte die Klage energisch anfechten. Entscheidend wird voraussichtlich sein, ob das angebliche Wissen tatsächlich materiell und nicht öffentlich war, ob sich ein kausaler Zusammenhang zwischen den Trades und dem Crash beweisen lässt – und ob sich Vorsatz nachweisen lässt.


