Michael Saylor hat laut Avik Roy, Chief Strategy Officer von Strive Asset Management, mit dem neuen Preferred-Equity-Produkt STRC eine Art „Ölquelle“ erschlossen: einen Finanzierungsweg, der Strategy (ehemals MicroStrategy) deutlich mehr Spielraum geben soll, um weiter Bitcoin zu kaufen.
Warum STRC für Strategy mehr ist als nur ein neues Wertpapier
Im Gespräch mit „The Bitcoin Historian“ erklärte Roy, STRC sei weniger ein gewöhnlicher Kapitalmarkt-Deal als vielmehr ein Produkt-Design-Durchbruch für Saylors Bitcoin-Treasury-Strategie. Der Kern: Strategy könne damit gezielter Kapital von Anlegern anziehen, die vor allem laufende Rendite (Yield) suchen – und dieses Geld anschließend in neue Bitcoin-Käufe umleiten.
Roy zeichnete nach, wie sich die Finanzierung bei Strategy entwickelt hat: Anfangs lief vieles über die Ausgabe von Stammaktien. Später nutzte das Unternehmen in der Niedrigzinsphase stark Wandelanleihen mit sehr günstigen Konditionen. Das Problem dabei: Käufer solcher Convertibles sichern sich oft ab, indem sie die Aktie leerverkaufen – was laut Roy für eine ungünstige Dynamik rund um die MSTR-Aktie sorgen kann.
Die Lösung sieht er in bevorzugten Aktienstrukturen (Preferred Equity). Frühere Varianten hätten zwar Geld gebracht, aber nicht in der Größenordnung, die Strategy für eine aggressive BTC-Akkumulation brauche. STRC sei nun so konstruiert, dass es nahe am Ausgabepreis von 100 US‑Dollar bleiben soll und gleichzeitig eine Dividendenrendite bietet, die Roy „irgendwo bei rund 12%“ verortet. Für viele Investoren sei das verständlicher: potenziell weniger Kursschwankung als Bitcoin, aber regelmäßige Ausschüttungen.
Roy brachte es mit einem Bild auf den Punkt: „Wie Öl finden – und es sprudelt heraus.“ Gemeint ist: STRC könnte Strategy einen deutlich skalierbareren Zugang zu Kapital verschaffen als bisherige Wege.
„Bitcoin als Kollateral“: Roys These zur Veränderung der Finanzwelt
Roy argumentierte zudem, dass solche Strukturen helfen könnten, Bitcoin schrittweise in die klassische Finanzwelt zu integrieren. Unternehmen wie Strive und Strategy würden Bitcoin als wertvolles Kollateral verstehen und darauf „Kredit“ bzw. finanzielle Produkte aufbauen. Seine zugespitzte Formulierung: Bitcoin wirke wie ein „Virus“, der traditionelle Finanzstrukturen von innen infiziert – was er als positiv für Bitcoin bewertet.
Allerdings sei das Modell nicht leicht kopierbar. Die Ausgabe von Preferred Securities im großen Stil könne teuer und komplex sein, insbesondere wegen rechtlicher und bankseitiger Anforderungen. Kleinere Bitcoin-Treasury-Firmen dürften daher Schwierigkeiten haben, Strategy kurzfristig nachzuahmen.
Ein weiterer Punkt: Roy meint, Banken und Broker würden Bitcoin eher akzeptieren, wenn sie damit Gebühren und Erträge generieren können. Sobald das gelingt, könnten auch politische und regulatorische Widerstände im Zeitverlauf nachlassen. Entscheidend bleibe aber eine Grundannahme: Bitcoin muss langfristig weiter steigen. Nur dann funktioniert die Logik, über solche Produkte immer wieder Kapital zu ziehen und die BTC-Position auszubauen.
Zahlen: STRC trieb die jüngste Kaufwelle – danach wurde es ruhiger
Die jüngsten Käufe von Strategy zeigen, wie stark STRC zeitweise als Finanzierungsmotor gewirkt hat. In der Woche bis zum 8. März verkaufte das Unternehmen STRC im Wert von rund 377,1 Mio. US‑Dollar und kaufte 17.994 BTC. In der Folgewoche bis zum 15. März kamen weitere 1,1804 Mrd. US‑Dollar STRC-Verkäufe hinzu – damit erwarb Strategy 22.337 BTC.
In der Woche bis zum 22. März meldete Strategy dann keine STRC-Emission mehr und kaufte nur noch 1.031 BTC. Finanziert wurde dieser kleinere Zukauf durch 76,5 Mio. US‑Dollar Nettoerlöse aus dem Verkauf von MSTR-Aktien.
Unterm Strich sammelte Strategy über drei Wochen 41.362 BTC ein. STRC lieferte dabei etwa 1,56 Mrd. US‑Dollar des Kapitals hinter der vorherigen Kaufwelle. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin-Kurs bei 70.655 US‑Dollar.


