Paraguay könnte beim Bitcoin-Mining einen neuen Weg einschlagen: Statt nur private Betreiber ins Land zu lassen, prüft der Staat erstmals ein eigenes, staatlich kontrolliertes Mining-Projekt. Auslöser ist eine neue Vereinbarung zwischen dem staatlichen Energieversorger ANDE und der Krypto-Infrastrukturfirma Morphware.
ANDE und Morphware: Bitcoin-Mining als Teil einer Energie- und Digitalstrategie
ANDE hat mit Morphware ein Memorandum of Understanding (MoU) unterzeichnet. Das ist noch keine endgültige Projektzusage, aber es schafft einen offiziellen Rahmen, um Vorhaben rund um digitale Assets, Recheninfrastruktur und energiegetriebene Technologieprojekte zu analysieren und zu entwickeln. Bitcoin-Mining wird dabei ausdrücklich als mögliche Anwendung genannt.
Wichtig ist die Signalwirkung: Paraguay positioniert sich nicht mehr nur als Standort für private Miner, sondern lotet ein Modell aus, bei dem der Energieversorger selbst die Kontrolle über Standorte und Betrieb hat – im Einklang mit dem bestehenden Rechts- und Regulierungsrahmen.
Morphware-CEO Kenso Trabing begründet den Ansatz wirtschaftlich: ungenutzter oder „gestrandeter“ Strom soll in produktive Rechenleistung umgewandelt werden. Dabei geht es nicht nur um Bitcoin, sondern auch um das größere Narrativ „Power-to-Compute“: Infrastruktur, die theoretisch flexibel zwischen Mining und anderen Rechenlasten (etwa KI-nahe Anwendungen) wechseln kann.
Beschlagnahmte Miner könnten den Start ermöglichen
Brisant ist der Kontext: Paraguay geht seit einiger Zeit gegen mutmaßlich illegale Mining-Anlagen vor und hat dabei ASIC-Hardware beschlagnahmt. Laut Trabing hält der Staat derzeit rund 30.000 konfiszierten Miner zurück – viele stammen demnach aus Fällen, in denen es um Stromdiebstahl oder Tarifbetrug ging.
Genau diese Geräte könnten nun Teil des Plans werden. Trabing sagte gegenüber Branchenmedien, ANDE prüfe, beschlagnahmte Miner in ein erstes staatlich betriebenes Bitcoin-Mining zu überführen – mit Morphware als Partner für Beratung, technische Unterstützung und Schulung des Personals.
Als erster Schritt ist laut den Aussagen eine Pilotphase mit etwa 1.500 Geräten im Gespräch. Diese sollen an versorgerkontrollierten Standorten in der Nähe von Umspannwerken installiert werden, wo die notwendige Strominfrastruktur bereits vorhanden ist. ANDE würde Eigentümer der Maschinen bleiben und die Anlagen selbst betreiben; Morphware soll vor allem beim operativen Know-how helfen.
Was das für Paraguay bedeutet
Wenn das Vorhaben umgesetzt wird, wäre es ein klarer Strategiewechsel: Mining würde nicht mehr nur „irgendwo“ privat stattfinden, sondern in regulierten, vom Versorger kontrollierten Anlagen. Für Paraguay könnte das neue Einnahmequellen erschließen und zugleich den Druck erhöhen, klare Regeln gegen illegale Aktivitäten durchzusetzen.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin-Kurs bei 68.644 US-Dollar.


