Die rund 1,1 Millionen Bitcoin, die Satoshi Nakamoto zugeschrieben werden, gelten als besonders heikel: Sollten Quantencomputer in Zukunft gängige Kryptografie knacken können, könnten diese alten Coins theoretisch gestohlen und anschließend auf den Markt geworfen werden. Ein Bitcoin-Entwickler bringt nun einen Vorschlag ins Spiel, der den Schaden begrenzen soll, ohne Satoshis Bestand einfach einzufrieren oder zu „verbrennen“.
Hourglass V2: Vorschlag soll Abverkauf gestohlener Satoshi-Coins ausbremsen
Der BTC-Entwickler Hunter Beast hat die zweite Version seines Konzepts „Hourglass V2“ vorgestellt. Kernidee: Transaktionen sollen pro Block nur noch maximal 1 BTC aus einem bestimmten alten Adresstyp aufnehmen dürfen – aus sogenannten Pay-to-Public-Key (P2PK)-Outputs.
Das ist deshalb relevant, weil Satoshis vermuteter Bestand größtenteils in genau solchen P2PK-Strukturen liegt. Bei P2PK ist der öffentliche Schlüssel sichtbar, was diese Coins im Vergleich zu moderneren Bitcoin-Skripten anfälliger für künftige Angriffe macht – insbesondere, wenn Quantencomputer tatsächlich in der Lage wären, private Schlüssel aus öffentlichen Schlüsseln abzuleiten.
Zusätzlich sieht Hourglass V2 vor, dass keine neuen P2PK-Outputs mehr erstellt werden dürfen – weder zu Adressen, von denen gerade nicht ausgegeben wird, noch als „Ableitung“ aus anderen Output-Typen. Dadurch soll dieser alte Adresstyp schrittweise aus dem System verschwinden („sunset“), ohne andere, heute noch gängige Output-Formate zu stark einzuschränken.
Warum nicht einfrieren oder verbrennen?
In der Debatte rund um Satoshis Bestand taucht immer wieder die Forderung auf, diese Coins präventiv einzufrieren oder sogar zu verbrennen, damit sie nicht in falsche Hände geraten. Genau hier setzt Beast mit einem Kompromiss an: Solche Eingriffe könnten als konfiskatorisch wahrgenommen werden und einen heiklen Präzedenzfall schaffen – insbesondere mit Blick auf die langfristige Verlässlichkeit von Bitcoins Geldpolitik.
Hourglass V2 will stattdessen nicht den Besitz ändern, sondern nur das Tempo drosseln, mit dem P2PK-Coins im Ernstfall bewegt und verkauft werden können. Damit bliebe es grundsätzlich möglich, dass der ursprüngliche Schlüsselinhaber (also theoretisch auch Satoshi) seine Coins weiterhin ausgeben kann – sofern nicht gleichzeitig ein Angreifer versucht, dieselben P2PK-Outputs auszuräumen.
So stark würde der „Dump“ gebremst
Beast rechnet vor: Mit dem Limit von 1 BTC pro Block ließen sich P2PK-Coins nur noch mit etwa 144 BTC pro Tag bewegen (bei rund 144 Blöcken täglich). Das würde einen möglichen Abverkauf massiv entschärfen, weil Angreifer nicht mehr „alles auf einmal“ auf den Markt kippen könnten.
Ohne solche Regeln könnten theoretisch tausende P2PK-Transaktionen pro Block verarbeitet werden – im Extremfall würde das bedeuten, dass enorme Mengen Bitcoin in sehr kurzer Zeit liquidiert werden könnten. Unter Hourglass V2 hingegen würde das vollständige Bewegen aller P2PK-Coins laut der Schätzung über 32 Jahre dauern. Das Ziel: weniger Schock für den Markt, weniger Panik, weniger Angebotsdruck – selbst wenn es eines Tages tatsächlich zu einem Quantenangriff auf alte Bitcoin-Adressen kommen sollte.


