Werbung

Fidelity-Studie: 0% Bitcoin im Portfolio „erklärungsbedürftig“

Fidelity-Studie: 0% Bitcoin im Portfolio „erklärungsbedürftig“

Fidelity Digital Assets legt mit einer neuen Studie nach und macht deutlich: Die Frage ist nicht mehr, ob Bitcoin grundsätzlich in ein Portfolio gehört – sondern warum man ihn gar nicht hält. Null Prozent Bitcoin seien weiterhin möglich, so die Autoren, aber diese Entscheidung müsse heute „gut begründet“ sein. Hintergrund: Das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen steht laut Fidelity unter Druck, weil sich die Rahmenbedingungen der vergangenen Jahrzehnte verändern.

Warum Fidelity eine Bitcoin-Quote plötzlich für „erklärungsbedürftig“ hält

Im Zentrum der Analyse stehen Bitcoins historische Daten. Fidelity verweist darauf, dass Bitcoin in 11 der letzten 15 Jahre die bestperformende Anlageklasse gewesen sei. Gleichzeitig bleibt die Schwankung (Volatilität) hoch – der bekannteste Kritikpunkt. Dennoch argumentiert Fidelity, dass Bitcoin über verschiedene Zeiträume auch bei der risikobereinigten Rendite (unter anderem gemessen mit Sharpe- und Sortino-Ratio) gut abschneide.

Außerdem betont die Studie Eigenschaften, die Bitcoin aus Portfolio-Sicht interessant machen sollen: die begrenzte Menge (Hard Cap), eine langfristig oft niedrige Korrelation zu klassischen Anlageklassen und eine gewisse Empfindlichkeit gegenüber monetärer Expansion. Eine auffällige Aussage der Studie: Veränderungen der globalen Geldmenge M2 hätten über 15 Jahre betrachtet einen großen Teil der Bitcoin-Preisbewegungen erklärt (Fidelity nennt 87% auf r-squared-Basis) – weist aber zugleich darauf hin, dass Korrelation keine Kausalität beweist. Bitcoin werde zudem als „ähnlich“ wie Gold im Inflationsschutz-Narrativ beschrieben, aber nicht als Ersatz, sondern eher als mögliche Ergänzung.

Kleine Beimischung, spürbarer Effekt: Was BTC im 60/40-Portfolio verändert

Für viele Investoren dürfte vor allem der Portfolioteil relevant sein. Fidelity nimmt ein klassisches 60/40-Portfolio (US-Aktien und US-Anleihen) als Ausgangspunkt und simuliert eine Beimischung von Bitcoin. Das Ergebnis: Historisch hätten sowohl jährliche als auch gesamte Renditen zugenommen. Die Volatilität stieg zwar, aber laut Fidelity wurde das durch bessere risikobereinigte Kennzahlen überkompensiert. Besonders deutlich seien die Verbesserungen gewesen, wenn die Bitcoin-Quote von 1% auf 3% erhöht wurde.

Bemerkenswert sei zudem, dass die maximalen Rückgänge (Drawdowns) laut Studie nicht so stark anstiegen, wie viele konservative Anleger erwarten würden. Fidelity führt das unter anderem auf die niedrige Korrelation sowie auf jährliches Rebalancing zurück: Dadurch wachse der Bitcoin-Anteil nach starken Kursanstiegen nicht unkontrolliert.

Härtere Kritik an Anleihen – und ein ungewöhnlich klares Fazit

Im weiteren Verlauf wird das Paper deutlich offensiver: In einer Mean-Variance-Optimierung mit „konservativen“ Annahmen (u.a. 25% erwartete Bitcoin-Rendite bei 50% Volatilität) landet das Portfolio mit der höchsten Sharpe-Ratio bei 9,4% Bitcoin – und 0% Anleihen. Eine zusätzliche Rechnung nach dem Kelly-Kriterium kommt bei historischen Renditen sogar auf sehr hohe Gewichte, wobei Fidelity ausdrücklich betont, dass dies keine Empfehlung sei und konservativere Annahmen die Quote deutlich senken (im Beispiel bis auf 10%). Der Kernpunkt: Bitcoins asymmetrisches Chance-Risiko-Profil könne höhere Quoten rechtfertigen, als viele aus dem Bauch heraus annehmen.

Damit wird auch die Kritik am 60/40-Modell konkret. Fidelity argumentiert, dass die starke Performance klassischer Portfolios in den letzten Jahrzehnten von Sonderfaktoren getragen wurde: fallende Zinsen, steigende Bewertungen und wiederholte politische Unterstützung für Kreditmärkte. Ob diese Rückenwinde bleiben, sei fraglich. Bei Anleihen nennt die Studie das Risiko negativer Realrenditen und eine teils steigende Aktien-Anleihe-Korrelation. Bei Aktien warnt sie vor hohen Bewertungen und Märkten, die „perfekt eingepreist“ wirken könnten – selbst wenn Themen wie KI und kapitalarme Geschäftsmodelle Margen stützen.

Fidelity gibt keine pauschale Bitcoin-Quote vor. Die Botschaft ist dennoch klar: In einer Welt, in der Anleihen womöglich nicht mehr zuverlässig stabilisieren und Aktien hohe Erwartungen bereits einpreisen, könne schon eine kleine Bitcoin-Beimischung einen „materiellen“ Einfluss auf das Portfolio haben. Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung lag der Bitcoin-Kurs laut Artikel bei rund 69.935 US-Dollar.