Eine Diskussion auf X hat einen alten Streit in der Krypto-Welt neu entfacht: Wird Bitcoin durch Wall-Street-Produkte wie ETFs „vereinnahmt“ – und verliert dadurch seine ursprüngliche Idee? Ausgelöst wurde die Debatte durch den Bloomberg-ETF-Analysten Eric Balchunas. Im Kern geht es um die Frage, ob Bitcoin weiterhin glaubwürdig als Geld gelten kann, das vor Inflation und politischer Kontrolle schützt, obwohl der Kurs stark schwankt.
Streit um Bitcoins „wahre“ Eigenschaften
Anstoß war ein Beitrag von Cooper Turley (Coop Records), der meinte, Krypto stecke „an einem der seltsamsten Punkte seit 2017“: Abseits von Spekulation sei schwer zu erkennen, wie die Branche im Alltag echten Nutzen stifte. Balchunas widersprach und lenkte den Blick auf Bitcoin als Geldsystem – nicht als Produkt oder App.
Sein Argument: Die eigentliche Innovation von Bitcoin sei, dass es „von Nutzern betriebenes Geld“ sei – zensurresistent und gegen Entwertung durch staatliche Geldmengenausweitung geschützt. Dass sich die politische Stimmung aktuell Bitcoin-freundlicher anfühle, könne den Zensur-Aspekt zeitweise weniger wichtig erscheinen lassen. Balchunas warnte jedoch: Das könne sich in ein paar Jahren schnell wieder ändern – in vielen Schwellen- und Grenzmärkten sei diese Eigenschaft heute schon relevant.
Zur starken Volatilität sagte Balchunas, Bitcoin sei noch ein „junges“ Asset. Der Preis überlagere oft die eigentliche Geschichte. Erfolgreiche Investoren hätten gelernt, diesen „Rauchvorhang“ auszublenden.
„Vereinnahmt“ durch Wall Street – oder nur bessere Infrastruktur?
Als es um den Vorwurf ging, das Establishment habe Bitcoin gekapert, stellte Balchunas klar: Nicht Bitcoin habe sich verändert, sondern die Zugangswege. Früher seien Nutzer auf riskante Krypto-Intermediäre angewiesen gewesen – heute würden viele über regulierte Strukturen wie große Vermögensverwalter investieren.
Sein Vergleich ist deutlich: Statt teurer Gebühren und möglicher Verluste bei dubiosen Akteuren würden Anleger nun „ausgelagertes“ Bitcoin-Halten zwar weiterhin über Dritte machen – nur günstiger und sicherer. Am Kern von Bitcoin, also am Netzwerk und den Regeln, habe sich laut Balchunas dadurch nichts geändert.
Ist Bitcoin wirklich „entwertungsresistent“, wenn es so stark schwankt?
Genau hier widersprachen Kritiker. Oliver Renick (Chicago Future of Finance) griff vor allem den Begriff „debasement-resistant“ an. Sein Punkt: Wenn ein Vermögenswert innerhalb kurzer Zeit so stark fallen kann, erlebe er praktisch wiederholt „Entwertungs-Events“. Wäre der US-Dollar so volatil wie Bitcoin, würde das System laut Renick „durchdrehen“. Für ihn sei Bitcoin deshalb „schlechtes Geld“.
Balchunas räumte ein, dass die Aussage stark von der Perspektive abhängt: langfristig sehe er Bitcoin als Schutz, kurzfristig sei die Kritik nachvollziehbar. Renick ging noch weiter und stellte sogar die Zukunft von Bitcoin infrage. Balchunas hielt dagegen und verwies auf die starke Performance der letzten Jahre (er nannte rund 450 % über 2023 und 2024), während Gold im selben Zeitraum deutlich weniger zugelegt habe.
Am Ende blieb der zentrale Gegensatz bestehen: Kritiker sagen, die Volatilität disqualifiziere Bitcoin als Geld und reduziere seine Rolle im Wesentlichen auf Zensurresistenz. Balchunas hält dagegen: Der Staat kann Bitcoin nicht „verwässern“ – diese Eigenschaft bleibe wahr, auch wenn der Kurs schwankt. Zum Zeitpunkt der Debatte lag BTC bei rund 66.207 US-Dollar.


