Dass die Deutsche Bank sich radikal umstrukturieren muss, um nicht in ein paar Jahren zu einem staatlichen Abwicklungsfall zu werden, ist kein Geheimwissen mehr. Auch sind die Probleme, die die Deutsche Bank, genauso wie die meisten anderen Universalbanken, belasten (Niedrigzinsumfeld, teures Filialnetz, sinkende Margen im Trading, veraltete IT-Infrastruktur etc.) hinlänglich bekannt und lassen sich am Aktienkurs bestens ablesen.

Besser spät als nie: Ist der Kulturwandel glaubhaft?

Während die Deutsche Bank schon oft von (Kultur-)Wandel gesprochen hat, ohne wirklich etwas zu ändern, hat der neue Grad an existenzieller Bedrohung scheinbar doch Früchte getragen. Die „neue Epoche“ wie Vorstandschef Christian Sewing an seine Mitarbeiter schreibt, wird durch konkrete Maßnahmen eingeleitet. Es wird nicht nur rund jeder fünfte Mitarbeiter entlassen, auch deutliche Einschnitte im Investmentbanking werden gemacht. Zudem bildet man eine Bad Bank zur Abwicklung von Vermögenswerten in Höhe von 74 Milliarden Euro. Alles Schritte, die kosten-technisch und regulatorisch nachvollziehbar sind. Allerdings beantworten sie nicht die Frage, wie die Deutsche Bank langfristig überleben kann.

Dringlicher denn je muss sich jede große Bank fragen, wie sie auf den Strukturwandel im Finanzwesen eingeht. Schließlich gibt es kaum eine andere Branche, die nicht nur enormen makroökonomischen Risiken (insbesondere Zinspolitik) ausgesetzt ist, sondern die Gefahr rührt von neuen Playern aus einer vermeintlich fachfremden Branche her. Unter dem Buzzword Digitalisierung müssen vollkommen neue Wege eingeschlagen werden. Sofern man das Geschäft nicht den FinTechs, Silicon-Valley-Giganten wie Facebook oder Apple sowie den dezentralen Finanzplattformen auf Blockchain-Basis überlassen möchte. Es geht um nichts Geringeres als die Frage, warum es in ein paar Jahren überhaupt noch eine Deutsche Bank, Commerzbank oder JP Morgan braucht.

Alles, was eine Deutsche Bank heute kann, wird Facebook oder sonst ein Tech-Riese in wenigen Jahren auch abbilden können. Nur eben deutlich besser und mit deutlich schlankeren Infrastrukturen. Nur durch eine radikale Digitaloffensive wird es die Deutsche Bank in zehn Jahren noch im DAX geben.

13 Milliarden Euro für Digitalisierung – Was heißt das?

Die Deutsche Bank möchte in den nächsten drei Jahren 13 Milliarden Euro in Technologie investieren. Die entscheidende Frage wird sein: Streicht man nur etwas Farbe über die maroden Wände oder reißt man sie ein und baut sie neu auf?

Neben dem Ausmisten der uralten IT-Infrastruktur der Bank, die schon seit vielen Jahren selbst von ehemaligen Deutsche-Bank-Vorständen bemängelt wird, muss es ganz neue Ansätze geben. Diese neuen Ansätze müssen sowohl künstliche Intelligenz durch beispielsweise verstärkten Einsatz von Robo Advisern beinhalten sowie die Tokenisierung von Vermögenswerten und Abwicklung auf Blockchain-Infrastrukturen. Dabei geht es nicht um blinden Blockchain-Aktionismus, der bestenfalls einen Marketing-Effekt hat. Vielmehr geht es um die Frage, wie das Zusammenspiel der Zukunftstechnologien – von denen Blockchain nur eine ist – die Zukunft gestalten kann. Die Banken, die darauf am schnellsten eine Antwort finden, werden auch am ehesten eine Chance haben, zu überleben.

Mit dem massiven Einstampfen des Investmentbankings verbessert die Deutsche Bank zwar ihr Risikoprofil, allerdings kappt sie auch eine potentielle Einnahmequelle. Gleichzeitig sind die potentiellen Erträge durch ein verstärktes Geschäft mit der Mittelstandsfinanzierung nicht ausreichend, um große und notwendige Gewinne einzufahren. Wenn die Deutsche Bank nicht zu einer überregionalen Sparkasse werden möchte, muss sie sich durch greifbare Innovation von der Konkurrenz absetzen.

Blockchain allein ist nicht die Lösung, aber ein Impuls

Anstatt die Blockchain-Lösung von JP Morgan, Quorum, nachzubauen und mit einem eigenen Stable Coin wie den JPM Coin zu experimentieren, kann die Deutsche Bank andere Wege gehen. So könnte sie beispielsweise die Art und Weise der Mittelstand-Finanzierung neu erfinden. Dabei könnte sie sich der Token Economy bedienen und sich hier als Vorreiter positionieren. Via Token Sale respektive Security Token für kleine und mittelständische Unternehmen mit angeschlossener Börse könnte sie einen neuen Geschäftsbereich entwickeln.

Auch könnte die Deutsche Bank, ähnlich wie es beispielsweise der Hedgefonds Bridgewater aus den USA macht, eine progressive KI-Strategie verfolgen. Das Ziel der KI-Strategie von Bridgewater ist die maximale Automatisierung von Entscheidungen im Unternehmen. Diese gehen dabei weit über die bisherigen Trading-Algorithmen hinaus.

Kurz um: Es braucht Innovation um jeden Preis. Noch ist die Deutsche Bank groß und einflussreich genug, um Branchenstandards setzen zu können. Sie könnte einen regulatorisch und institutionell anerkannten Rahmen für die Krypto-Ökonomie schaffen. Ganz gleich, ob im Anlage- oder Finanzierungsbereich. Mit den Stellenkürzungen wie man sie bis 2022 plant, ist dann sicherlich immer noch nicht Schluss. So äußert auch Banken-Experte Hans-Peter Burghof von der Universität Hohenheim gegenüber der Rheinischen Post, dass die Digitalisierung viele Stellen überflüssig machen wird. Genauso wie auch Sparkassen und Volksbanken seit Jahren massiv ihr Filialnetz ausdünnen, wird auch die Deutsche Bank diesem Trend weiter folgen müssen.

Kaum ein anderer Beruf ist so vom Aussterben bedroht wie der des Bankers. Tippt man im so genannten Job Futuromat – einem Projekt der ARD, Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung sowie der Bundesagentur für Arbeit – die Berufsbezeichnung Bankkaufmann ein, dann wird die durch Digitalisierung zu beziffernde Ersetzbarkeit des Berufes auf 88 Prozent bewertet. Soll bedeuten, dass bereits schon heute 88 Prozent aller Arbeiten eines Bankkaufmannes Roboter erledigen können.

Jetzt oder nie: Entweder die Deutsche Bank disruptiert sich selbst oder der Markt wird es tun

Die Deutsche Bank hat stellvertretend für alle anderen Universalbanken keine andere Wahl, außer sich den Zukunftstechnologien zu öffnen.

Immerhin hat sie den Vorteil, dass sie jetzt dazu gezwungen wird, radikal umzudenken. Sie kann es sich im Gegensatz zu manch anderen Banken nicht mehr leisten, so zu tun als gäbe es keine Finanz-Offensive aus dem Silicon Valley. Als gäbe es keine hippen Digitalbanken wie N26 und keine digitale (R)evolution durch Decentralized Finance und künstliche Intelligenz.

Die Blockchain-Technologie, die in vielen Punkten eher eine Gefahr als eine Chance für die traditionelle Bankenwelt darstellt, kann in erster Instanz vor allem eines sein: Impulsgeber für eine vollkommen neue Organisations- und Interaktionslogik. Die Blockchain-Technologie und mit ihr die Krypto-Ökonomie kann eine technische Antwort auf bislang nur schwierig umzusetzende dezentrale Konzepte sein. Ebendiese Dezentralität setzt an der Wurzel, am Gerüst einer ganzen (Finanz-)Institution, an und kann dazu beitragen, verkrustete und nicht mehr zeitgemäße Strukturen im Konzern aufzubrechen.

Brain Drain für die Konkurrenz

Von den 18.000 Mitarbeitern, die den Konzern verlassen müssen, sind die allermeisten top ausgebildet und motiviert. Gerade die Jüngeren werden sich umso mehr die Frage stellen, ob sie ihre Zukunft bei einer traditionellen Bank sehen. Nicht wenige werden bei Tech-Unternehmen oder Fintechs unterkommen. Viele werden ihr Know-how einbringen, um die neuen Player am Finanzmarkt gegen die alten Player in Position zu bringen. Auch werden einige ihre Chance in der Krypto-Ökonomie sehen. Sei es bei einer Krypto-Börse, bei einem Krypto-Investmentfonds oder indem sie selbst ihr eigenes Krypto-Start-up gründen.

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