Die Sachbearbeiter polnischer Geldhäuser haben es nicht leicht. Denn jedes Geschäft, das eine Bank abschließt, bedarf einer dauerhaften Sicherung. Jeder Kunde wiederum muss stets Zugang zu diesen Geschäftsdokumenten besitzen. So schreibt es das polnische Gesetz vor. Eine Online-Datenbank jedoch reicht hierfür nicht aus. Das Ergebnis hiervon sind riesige Archive und Aktenberge.

Die polnische Bank Alior, eine der größten Banken des Landes, hat dies zum Anlass genommen, umzudenken. Nun verkündet die Bank eine für bisherige Lösungswege eher ungewöhnliche Antwort.

Wie die US-Wirtschaftsnachrichten Forbes am Montag, dem 17. Juni, berichten, will die Bank mit der Ethereum-Blockchain künftig auf öffentlich zugängliche Distributed-Ledger-Technologie setzen. Dabei wird Alior eines der ersten Finanzinstitute weltweit sein, die für die Verwaltung und Abwicklung von Daten einen solchen Public Ledger zum Zuge kommen lassen. Bisherige Anstrengungen im Bankensektor wie etwa vonseiten J.P. Morgans nutzen bisher zumeist private, in ihren eigenen Systemen geschlossene Permissioned Blockchains.

Mit der dauerhaften dezentralen Datensicherung geht Alior davon aus, nun alle gesetzlichen Vorgaben der polnischen Finanzaufsicht zu erfüllen. Gleichzeitig soll die Auslagerung der Dokumente Kunden eine Echtheitsgarantie bieten.

Unser Auftrag ist es, revolutionär zu sein. Deshalb wollen wir innovative Lösungen schaffen und anderen Banken dazu motivieren, uns zu folgen […] Während einige denken, dass dies unmöglich ist, zeigen wir, dass man eine öffentliche Blockchain sehr wohl [im Bankensektor] einsetzen kann,

gibt sich Tomasz Sienicki vom bankinternen Blockchain Center of Excellence selbstbewusst.

Wenn wir behaupten, dass Dokumente authentisch sind, kann dies jeder prüfen und bestätigen. Das ist mit einer privaten Blockchain so nicht möglich.

Alior: Hashes sollen Echtheitsgarantie liefern

Zum Einsatz kommen sollen dabei künftig Smart Contracts, die die Hashes von Kundendokumenten – deren digitale, mit Zeitstempeln versehene Signaturen – auf der Ethereum Blockchain verankern. Wollen Kunden deren Echtheit überprüfen, können sie die Hashes der Dokumente, die sie online von Alior erhalten, mit denen auf der Blockchain vergleichen. So können sie prüfen, ob die Dokumente in der Zwischenzeit bearbeitet worden sind.

Wir wissen genau, in welchem Ethereum-Block ein Dokument mit einem bestimmten Hash veröffentlicht worden ist […]. So können wir beweisen, dass das Dokument auf unseren Servern nicht ersetzt worden ist,

ist sich Aliors Blockchain-Architekt Piotr Adamczyk der Vorzüge seines Systems sicher.

Dadurch, dass die Blockchain einzig die Hashes, also eine Art digitalen Fingerabdruck der Dokumente, und keine unmittelbar personenbezogenen Daten speichert, steht der Vorstoß zudem in Einklang mit den Vorschriften der Europäischen Union. Deren Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) für Banken und Dienstleister etwa räumt das sogenannte „Recht auf Vergessen“ ein. Damit sollen Kunden ihre Daten jederzeit löschen können. Eine dauerhafte Speicherung ganzer Dokumente auf der Blockchain jedoch würde dies verhindern.

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