BTC-ECHO: Das Unternehmen Streetlife International wird das erste STO auf eurer Plattform sein und soll in Q3 dieses Jahres stattfinden. Mit welchen Herausforderungen habt ihr mehr zu kämpfen: dem technischen Aufsetzen oder dem Erfüllen der regulatorischen Anforderungen?

Paul Claudius: Ich glaube, STOs sind immer eine Kombination aus der richtigen Regulierung und einer funktionierenden Technologie. Insofern muss man in beiden Bereichen seine Hausaufgaben gemacht haben. Was im Wertpapierprospekt definiert wird, muss dann im Smart Contract auch umgesetzt werden. Da der Markt noch relativ jung ist, müssen wir die gesamte technische Infrastruktur aufbauen und diese mit den regulatorischen Erfordernissen wie z. B. KYC abstimmen.

BTC-ECHO: Mit Blick auf die bereits laufenden oder gar abgeschlossenen STOs kommt, bis auf wenige Ausnahmen, der Eindruck auf, dass es sich um eher schwache Projekte handelt, die aus Marktingaspekten von ICO zu STO gewechselt sind. Teilst du diese kritische Position?

Paul Claudius: Das sehe ich ähnlich. Es gibt vielleicht eine Handvoll interessante internationale Projekte, die erfolgreich einen Public STO durchgeführt haben. Wir selbst arbeiten derzeit an Kapitalmarktemissionen, bei denen zum Teil auch größere Volumina platziert werden. Ich gehe davon aus, dass wir 2019 mehr Emissionen haben werden, als es bisher insgesamt gab.

BTC-ECHO: Einige STOs entscheiden sich, ihre Token nur an institutionelle Investoren herauszugeben, ergo keinen Public Sale zu machen. Ist der teure Wertpapierprospekt, der Voraussetzung für ein öffentliches STO ist, Schuld daran?

Paul Claudius: Für viele Plattformen ist ein STO vor allem ein Marketinginstrument. Es ist etwas witzlos, Token nur an institutionelle Investoren auszugeben. Klar, das kann zwar ein effizienteres Shareholder-Management bedeuten. Aber es verfehlt im Grundsatz die Idee, wieso man STOs überhaupt macht. Der Gedanke ist ja, dass man eben einer breiteren Investorengruppe Möglichkeiten an die Hand gibt, in Assets zu investieren. Auch der unterschiedliche regulatorische Umgang in den einzelnen Jurisdiktionen ist ein Problem.

In der Schweiz ist es viel einfacher, ein STO durchzuführen als in Deutschland. Schließlich ist es nur in der Schweiz möglich, Investoren einen Zugang zu tokenisiertem Eigenkapital im Rahmen eines STOs zu geben. In Deutschland hingegen können gegenwärtig noch keine Security Token als vollwertige Aktien herausgegeben werden. Hierzu bedürfte es einer Gesetzesänderung. Stattdessen müssen wir in Deutschland mit Genussrechten arbeiten, die nicht die gleichen Möglichkeiten bieten und für weniger Investoren interessant sind.

Die Schweiz ist also einfach sehr viel weiter. Ich gehe davon aus, dass wir in zwei Jahren in Deutschland auf einem ähnlichen Level sind.

BTC-ECHO: Seht ihr Initial Exchange Offerings von Krypto-Börsen als potentielle Konkurrenz für STO-Plattformen wie euch?

Paul Claudius: Wir konzentrieren uns stark auf die Emission und das Life Cycle Management. Das heißt wir arbeiten mit Partnern sowohl im Primär- als auch im Sekundärmarkt zusammen. Wir stehen mit den regulierten europäischen Börsen in engem Kontakt und sehen diese als Partner. Denn ein Sekundärmarkt funktioniert nur, wenn genügend Liquidität vorhanden ist. Heute sieht man: Es gibt keinen einzigen Handelsplatz für Security Token, an dem ausreichend Liquidität ist. Insofern sehe ich Exchanges überhaupt nicht als Konkurrenten an. In Bezug auf IEOs: Viele der Börsen, die IEOs anbieten, finden STOs zwar potenziell interessant. Sie sind aber nicht ausreichend reguliert, um STOs tatsächlich emittieren zu können.

BTC-ECHO: Was glaubst du, wann Security Token die urkundliche Verbriefung ablösen werden, ergo jedes Wertpapier tokenisiert sein wird?

Paul Claudius: Auch dies ist stark von der jeweiligen Jurisdiktion abhängig. In der Schweiz geht das heute schon, denn dort gibt es sogenannte Wertrechte. Dabei kann eine Aktiengesellschaft ihr Aktienregister selbstständig auf einer Blockchain führen. Die Übertragung der jeweiligen Wertrechte ist bereits heute möglich.

In Deutschland bedarf es allerdings erst einmal einer Gesetzesänderung, die unter Umständen noch diesen Sommer eingebracht wird. Schließlich bedarf es hier einer Globalurkunde, die zunächst dematerialisiert werden muss. Der Verabschiedungsprozess wird allerdings noch zwölf bis 24 Monate dauern. Aber auch dann ist noch nicht klar, ob die notwendigen regulatorischen Vorausetzungen für tokensiertes Eigenkapital geschaffen worden sind.

Übrigens: Der Blockchain-Einsatz ist nicht überall gleich sinnvoll. Die großen Aktiengesellschaften wie Apple oder Amazon können wir bereits heute sehr effizient und einfach handeln. Die Vorteile, die eine Tokenisierung einer Apple-Aktie beispielsweise bringt, sind eher gering.

Anders bei kleinen bis mittleren Unternehmen (KMUs), wie beispielsweise GmbHs oder Schweizer AGs, wo wir ein riesiges Potential sehen. Hier kann ein Markt erschlossen werden, der neuen Zugang zu Kapital und Investmentmöglichkeiten bietet. Schließlich wird über 54 Prozent des BIP durch KMUs geschaffen.

BTC-ECHO: Abschließend nochmal zu euch. Wie wollt ihr euch als STO-Plattform durchsetzen?

Paul Claudius: Wir sind uns bewusst, wo unsere Wertschöpfung erfolgt. Wir haben zudem eine sehr modulare Infrastruktur: Wir arbeiten sowohl auf der Deal-Flow-Seite mit Banken zusammen als auch mit den sich entwickelnden Sekundärmärkten. So können wir die gesamte Wertschöpfung abdecken. Neben der Betreuung von Kapitalmarktemissionen unserer Kunden, bereiten wir aktuell auch unseren eigenen Public STO in der Schweiz vor, den wir im Juni umsetzen werden.

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