bitcoin rückblick
Bitcoin – Korrektur immer noch nicht ausgestanden!


1. Rückblick

Übergeordnet steckt der Bitcoin seit dem 17.Dezember 2017 immer noch in einer Korrektur bzw. in einem Bärenmarkt. Mit der Erholung in diesem Frühjahr konnte mit 13.887 US-Dollar am 26.Juni 2019 zumindest das 61,8%-Fibonacci Retracement der zuvor erfolgten Abwärtsbewegung (von 20.000 auf 3.200 US-Dollar) erreicht werden. Seit diesem Jahreshochpunkt sind die Preise für einen Bitcoin in den letzten fünf Monaten aber wie erwartet deutlich gefallen.

In den letzten vier Wochen konnten sich die Bitcoin-Notierungen dabei nicht aus dem seit Ende Juni intakten Abwärtstrendkanal befreien. Vielmehr tauchten die Preise deutlich tiefer in die frühzeitig genannte Kaufzone zwischen 6.200 und 8.200 US-Dollar ein. Mit dem neuen Tiefststand bei 6.515 US-Dollar wurden alle Tiefpunkte der letzten Monate klar unterboten. Der mittelfristige Abwärtstrend ist also noch intakt ist. 

Trotzdem kam es in den letzten 11 Tagen zu einer Erholung, die immerhin für einen Kursanstieg von knapp 1.400 US-Dollar (plus 21,5%) bis auf 7.865 US-Dollar sorgte. Bislang konnten die Bullen diese Kursgewinne aber nicht nachhaltig verteidigen, so dass der Bitcoin aktuell um die mittlere Trendlinie innerhalb seines Abwärtstrendkanals um 7.300 US-Dollar handelt.

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2. Chartanalyse Bitcoin in US-Dollar

Quelle: Tradingview

Auf dem Wochenchart hat die Abwärtsbewegung der letzten Wochen den seit Anfang Februar etablierten Aufwärtstrendkanal unterschritten und damit hinfällig werden lassen. Gleichzeitig nähert sich das Kursgeschehen der noch wichtigeren Aufwärtstrendlinie seit dem Herbst 2015 an. Diese Trendlinie repräsentiert im Grunde genommen den Quantensprung von dreistelligen hin zu fünfstelligen Bitcoin-Kursen. Diese Trendlinie sollte idealerweise halten.

Gleichzeitig wurde mit dem Unterschreiten der 61,8% Fibonacci Retracements bei 7.231 US-Dollar bereits das nächsttiefere 78,6% Retracement bei 5.424 US-Dollar freigeschaltet. Ebenfalls unterhalb der vierjährigen Aufwärtstrendlinie liegt die nächste Unterstützungszone zwischen 5.700 und 6.200 US-Dollar. Gleichzeitig ist der Stochastik-Oszillator überverkauft und hat das tiefere Tief beim Bitcoin bislang nicht nachvollzogen (Positive Divergenz?!).

Insgesamt scheint die Korrektur auf dem Wochenchart bereits weit vorangeschritten zu sein. Die Bären stehen vor einem sehr starken Cluster an Unterstützungen. Die Trendwende ist daher zum Greifen nah, könnte aber mit einem letzten Kursrutsch unter die psychologische Marke von 6.000 US-Dollar auch noch etwas auf sich warten lassen. In jedem Fall bieten Kurse unterhalb von 7.500 US-Dollar mittel- und langfristig ein gutes Chancen/Risiko-Verhältnis. Antizyklische Investoren sind also im Akkumulation-Modus, denn der Bitcoin befindet sich in einer vielversprechenden Kaufzone.

Quelle: Tradingview

Auf dem Tageschart hängt der Bitcoin aktuell an der mittleren Trendlinie des seit Ende Juni etablierten Abwärtstrendkanals. Trotz der schnellen Erholung in der letzten Novemberwoche scheint die Trendwende noch nicht hundertprozentig in trockenen Tüchern. Der lange Docht der Tageskerze am 25.November spricht aber schon für eine Trendumkehr!

Denkbar wäre nun ein nochmaliges Abgleiten in Richtung der wichtigen Aufwärtstrendlinie im Bereich 6.500 bis 6.800 US-Dollar. Sollte die Trendlinie hier halten (idealerweise mit einem leicht höheren Tief als im November), hätten die Bullen ein wichtiges Puzzleteil installiert. Alternativ kommt es noch zu einem finalen Ausverkauf, der dann die volle Unterseite des Abwärtstrendkanals ausnützen und Kurse unterhalb von 6.000 US-Dollar mit sich bringen dürfte.

Zusammengefasst ist der Tageschart neutral zu bewerten. Die Chance auf ein erfolgreiches Doppel-Tief im Bereich um 6.500 bis 6.800 US-Dollar ist nicht von der Hand zu weisen. Hält die vierjährige Aufwärtstrendlinie hingegen nicht, dürfte der Bitcoin mindestens die Unterstützungszone zwischen 5.700 und 6.200 US-Dollar testen.

3. Terminmarktstruktur Bitcoin

Quelle: Barchart

Der Bitcoin Future begann am 17.Dezember 2017 seinen Handel. Schon damals war eigentlich klar, dass mit der Einführung des Bitcoin Futures die Bitcoin Blase (die erste Blase nach der Finanzkrise 2008) angestochen wurde. Nun hat Christopher Giancarlo, ehemaliger Vorsitzender der US-amerikanischen Commodity Futures Trading Commission (CFTC), dies in einem Interview bestätigt.

Trotzdem bieten die immer freitagabends veröffentlichten CoT-Daten einen guten Überblick über die Positionierungen und sind in jedem Fall eine Hilfe bei der Analyse des Bitcoin Markets. Dieses Mal wurde der CoT-Report aufgrund des Thanksgiving-Feiertages erst in der laufenden Woche veröffentlicht.

Insgesamt kam es im Zuge der mittlerweile fünfmonatigen Korrektur natürlich zu deutlichen Verschiebungen am Terminmarkt. Vor allem aber ist das Open Interest deutlich gesunken, was insgesamt auf eine fallende Aktivität hinweist. Interessant ist jedoch das Verhalten der sogenannten „Other Reportables“, welche in diesem Jahr sehr erfolgreich die Bewegungen im Bitcoin antizyklisch gespielt haben. Die Gruppe der „Other Reportables“ wird im normalen Cot-Report gar nicht einzeln aufgelistet und repräsentiert alle meldepflichtigen Trader, die nicht einer der drei Gruppen der Produzenten, Swap Dealer oder Money Manager zugerechnet werden können. 

Die „Other Reportables“ haben in den letzten fünf Monaten ihre Shortposition von 1.500 leerverkauften Kontrakten auf zwischenzeitlich knapp 250 long Kontrakten gedreht. Offensichtlich war ihnen der Tiefpunkt bei 6.515 US-Dollar allerdings noch nicht tief genug, um ähnlich wie Ende März eine Long-Position von mehr als 500 Kontrakten zu halten. Daraus lässt sich schließen, dass der Bitcoin vermutlich noch weiteren Korrekturbedarf hat und die Unterstützungszone um 6.000 US-Dollar möglicherweise erst noch unterschritten werden muss. Erst dann könnten die schwachen Hände endgültig das Handtuch schmeißen, während die Gruppe der „Other Reportables“ ihre Long Position gleichzeitig auf über 500 Kontrakte ausbauen könnte.

Insgesamt liefert die Analyse des aktuellen CoT-Reports ein eher neutrales Signal. Zwar hat sich die Ausgangslage in den letzten zwei Monaten deutlich verbessert, die erfolgreichen Spieler sind am Terminmarkt aber noch nicht nachhaltig auf die Long-Seite gewechselt.

4. Sentiment Bitcoin

Quelle: Sentimentrader

Quelle: Crypto Fear & Greed Index

Quelle: Crypto Fear & Greed Index 

Parallel zu den fallenden Kursen ist auch die Stimmung unter den Anlegern immer weiter in den Keller gerutscht. Während der Bitcoin Optix von Sentimentrader derzeit aber nur ein minimal übertriebenen Pessimisus feststellt, ermittelt der wesentlich fundiertere „Fear & Greed Index“ bereits eine extreme Angst im Sektor. Der Tiefststand bei diesem Indikator wurde vor ziemlich genau einem Jahr mit Werten um 13 gesehen. Die Kapitulationsphase im Kryptosektor könnte also durchaus noch etwas schmerzhafter werden.

Zusammengefasst herrscht bereits ein hohes Maß an Angst. Aus antizyklischer Sicht liegt damit ein Kaufsignal vor. Spätestens wenn der „Fear & Greed Index“ auf Werte zwischen 10 und 15 fällt, dürfte der Boden und damit die Trendwende erreicht sein.

5. Saisonalität Bitcoin

Quelle: Seasonax

Basierend auf der Auswertung der letzten neun Jahre hat sich für den Bitcoin ein doch recht eindeutiges saisonales Muster entwickelt. Statistisch betrachtet fällt dabei das 4.Quartal in der Regel leicht positiv aus. Davon ist bislang aber relativ wenig zu sehen, denn der Bitcoin steht aktuell knapp 600 US-Dollar tiefer als Mitte Oktober. 

Dennoch ist die saisonale Komponente bis Anfang Januar leicht bullisch.

6. Bitcoin gegen Gold

Quelle: XE

Derzeit kostet ein Bitcoin 5,07 Unzen Gold. Andersherum gerechnet muss man für eine Unze Gold aktuell 0,2 Bitcoin bezahlen! Insgesamt hat Gold in den letzten vier Monaten um fast 39% gegen den Bitcoin aufgewertet!

Im großen Bild befindet sich der Bitcoin gegen Gold bereits seit Dezember 2017 in einem Abwärtstrend. Sollte das Ratio auch noch unter die Unterstützung um 5 Unzen pro Bitcoin fallen, dürften die Tiefststände von vor einem Jahr um 3 bis 3,5 Unzen pro Bitcoin angepeilt werden.

Grundsätzlich sollte man in beiden Asset-Klassen investiert sein. D.h. mindestens 10% und maximal 25% seines Gesamtvermögens sollte man in Edelmetalle (primär physisch) anlegen, während man in Kryptos und vor allem im Bitcoin mindestens 1% und maximal 5% halten sollte. Wer sich mit den Kryptowährungen und Bitcoin sehr gut auskennt, kann individuell sicherlich auch höhere Prozentzahlen in Bitcoin allokieren. Für den normalen Anleger, der natürlich vor allem in Aktien und Immobilien investiert ist, sind 5% im hochspekulativen und hochvolatilen Bitcoin aber schon sehr viel.

7. Fazit und Empfehlung 

Die seit Ende Juni laufende Korrektur beim Bitcoin scheint immer noch nicht ganz ausgestanden zu sein. Sowohl der Terminmarkt als auch das Sentiment deuten daraufhin, dass es noch zu einem weiteren Tief nahe oder sogar unterhalb von 6.500 US-Dollar kommen sollte.
Gleichzeitig überwiegen im größeren Bild aber mittlerweile ganz klar die Chancen. Der Bitcoin ist mustergültig in die im Sommer definierte Kaufzone abgetaucht und liefert nun eine antizyklische Kaufchance. Wer mit gestaffelten Kauforders auf diese tiefen Kurse geduldig gewartet hat, sollte mittlerweile mit mindestens 50% investiert sein. Idealerweise hält man noch etwas Pulver trocken für den Fall, dass der Bitcoin es nach unten übertreibt und doch noch alle Unterstützungen unterbietet. Die Wahrscheinlichkeit dafür liegt aber bei maximal 25%. Logischer erscheint ein zweites Standbein im Bereich um 6.500 bis 6.800 US-Dollar sowie im Anschluss die Trendwende, welche bis zum Frühsommer 2020 zu deutlich höheren Preisen führen sollte. 

Insgesamt hat der Bitcoin ein verbleibendes Restrisiko bis maximal 5.000 US-Dollar, während auf der Oberseite die Widerstandszone zwischen 12.500 und 13.800 US-Dollar das Maß aller Dinge ist. Gelingt im nächsten Jahr der Ausbruch über diese Widerstandszone sind neue Allzeithochs nur noch eine Frage der Zeit. Kurse unterhalb von 5.000 US-Dollar hingegen schüren berechtigte Zweifel, ob sich der Bitcoin überhaupt durchsetzen wird können. 

Florian Grummes

Edelmetall- und Krypto-Experte

www.midastouch-consulting.com
Autor: CelticGold.eu
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