Bitcoin-Miner geraten laut einem neuen Bericht von CoinShares zunehmend unter finanziellen Druck. Sinkende Kurse, eine schwächere Ertragslage pro Rechenleistung und hohe Konkurrenz im Netzwerk drücken viele Betreiber an die Gewinnschwelle – oder darunter. Besonders bei börsennotierten Minern wirkt sich die Lage inzwischen nicht mehr nur kurzfristig aus, sondern verändert Geschäftsmodelle, Reserven-Strategien und die Finanzierung.
Margen schrumpfen: Viele Miner arbeiten nahe am Break-even
CoinShares bezeichnete das vierte Quartal 2025 als schwierigstes Quartal seit dem Halving im April 2024. Der Bitcoin-Kurs sei dabei von einem Hoch um 124.500 US-Dollar Anfang Oktober auf etwa 86.000 US-Dollar Ende Dezember gefallen – ein Rückgang von rund 31%. In dieser Phase stiegen die gewichteten durchschnittlichen Cash-Kosten zur Produktion eines Bitcoins bei börsennotierten Minern auf etwa 79.995 US-Dollar.
Anfang 2026 habe sich der Druck weiter verstärkt. Besonders wichtig ist dabei der sogenannte Hashprice (also die Erlöse pro bereitgestellter Rechenleistung): Er lag laut CoinShares im Q4 noch bei etwa 36–38 US-Dollar pro PH/s/Tag und fiel im Q1 dann deutlich auf rund 29 US-Dollar. CoinShares spricht von „weiterem Schmerz“, falls sich der Bitcoin-Preis nicht spürbar erholt.
Ein weiteres Warnsignal: CoinShares verweist auf drei negative Difficulty-Anpassungen in Folge – ein Muster, das es zuletzt im Juli 2022 gab und als Hinweis auf Kapitulation im Mining gilt.
Wer zu teuer produziert, fliegt raus – und Reserven werden verkauft
Die Kluft zwischen effizienten und weniger effizienten Minern wird größer. CoinShares schreibt, dass Miner mit mittelalter Hardware nur dann cashflow-positiv bleiben, wenn sie Strompreise von unter 5 Cent pro kWh bekommen. Betreiber mit modernsten Geräten (unter 15 J/TH) hätten dagegen auch bei üblichen Industrietarifen noch spürbare Margen.
Nach CoinShares-Schätzung gilt: Bei einem Hashprice von rund 30 US-Dollar pro PH/s/Tag macht ein Miner mit Hardware unterhalb eines S19 XP und Stromkosten ab 6 Cent pro kWh Verluste. Das betreffe etwa 15% bis 20% der globalen Mining-Flotte.
Die Folgen zeigen sich auch in den Bilanzen. Laut CoinShares haben öffentliche Miner ihre Bitcoin-Bestände seit den Höchstständen zusammen um mehr als 15.000 BTC reduziert. Genannt werden unter anderem:
Core Scientific (Verkauf von rund 1.900 BTC im Januar, zudem Plan zur weitgehenden Liquidation der restlichen Bestände im Q1 2026), Bitdeer (Treasury im Februar auf null reduziert) und Riot (Verkauf von 1.818 BTC im Dezember 2025).
AI statt Mining: Branche spaltet sich – aber das Risiko steigt
CoinShares sieht eine klare Aufteilung in zwei Gruppen: klassische Miner, die weiter primär Bitcoin produzieren, und Betreiber, die ihre Infrastruktur zunehmend als Sprungbrett in KI (AI) und High-Performance-Computing (HPC) nutzen.
Dem Bericht zufolge wurden im öffentlichen Mining-Sektor inzwischen AI- und HPC-Verträge im Umfang von über 70 Milliarden US-Dollar angekündigt. Unternehmen wie WULF, CORZ, CIFR und HUT würden sich faktisch zu Rechenzentrumsbetreibern entwickeln, die „nebenbei“ noch Bitcoin minen. CoinShares hält es für möglich, dass börsennotierte Miner bis Ende 2026 bis zu 70% ihrer Umsätze aus AI erzielen – gegenüber etwa 30% heute.
Allerdings kommt der Umbau oft über Schulden. CoinShares warnt, dass steigende Verschuldung das Risiko-Profil der Branche deutlich verändert habe – mit Beispielen wie IREN (3,7 Mrd. US-Dollar Convertible Notes), WULF (5,7 Mrd. US-Dollar Gesamtschulden) und CIFR (1,7 Mrd. US-Dollar Senior Secured Notes). Gleichzeitig würden AI-nahe Betreiber vom Markt häufig höher bewertet als reine Bitcoin-Miner.
Zum Zeitpunkt der Berichterstellung lag der Bitcoin-Kurs bei etwa 67.850 US-Dollar.


